Entwicklungsgeschichte

Auch in den Jahren ab 1934 führte Karl Pollmann unbeeinflusst durch veränderte politische Zielsetzungen neutral, und nur in Sorge um das Wohl seiner Kollegen, und der Betriebsbelegschaften die Innung. Dem Lehrlingswesen widmete sich der Gesellenprüfungsausschuss unter seinem Vorsitzenden Aug. Quakernack, Brackwede. Die Verbindung zur Gesellenschaft wurde durch den in langen Jahren bewährten Altgesellen Wilh. Brinkmann, Bielefeld, hergestellt. Ein sehr reges Innungsleben können wir in diesen Jahren feststellen, Wenn man auch in der Innungsversammlung am 12. 5. 1937 feststellen musste, dass die Aufträge zugenommen hatten, so waren sie doch offensichtlich noch ungleichmäßig verteilt und oft mit geringem finanziellen Erfolg verbunden. Außerdem war es schwer, die auftragvergebenden Stellen zu einer klaren Abgrenzung bei der Vergabe von Bauarbeiten und Pflastererarbeiten zu bewegen.

So klagte man nach wie vor über die schwierige Abgrenzung zwischen Bauhandwerk und Pflasterer- bzw. Straßenbauerhandwerk, was vielfach wieder zur Vergabe von Facharbeiten an fachfremde Betriebe führte. Um die Behörden bei der Vergabe an die richtigen Betriebe zu unterstützen, erfolgten mehrfach Anschriftenmitteilungen an diese. Man beanstandete aber auch, dass die Behörden vielfach Unkostensätze als Teil der Kalkulation vorschrieben und damit in reine Unternehmeraufgaben eingriffen. Auch starker Mangel an Lehrlingen ließ erstmalig den Wunsch nach Umschulungsmaßnahmen für erwachsene Berufsangehörige laut werden. Man strebte daraufhin an, die Fachkräfte, deren Lehrzeit-Ende nicht mehr als fünf Jahre zurück lag, zur Ablegung der Gesellenprüfung zu veranlassen und glaubte so zu einem festen Stamm von Mitarbeitern zu kommen.

 

Nachdem sich die Innung jederzeit besonders der Lehrlingsausbildung angenommen und zu ihrer Verbesserung immer wieder auf die Betriebe eingewirkt hatte, tat man mit der Einrichtung einer Lehrlingsfachschule des Reichsinnungsverbandes, über die am 24. 5. 1938 berichtet wurde, einen wesentlichen, die Ausbildung ergänzenden Schritt. Die Innung unterstützte diese Maßnahme, da sie mit dazu beitragen sollte, den im Hinblick auf einen größeren Arbeitsanfall unzureichenden Facharbeiterstamm zu ergänzen. Zur Förderung der Lehrlingsausbildung beschloss man am 28.4.1939, zur ergänzenden Lehrlingsausbildung Fachkurse einzurichten.

 

Am 21. 4.1939 hatte der in fast 28 Jahren bewährte Obermeister Karl Pollmann, um Entbindung von seinem Obermeisteramt gebeten und das langjährige Vorstandsmitglied Wilhelm Jakobsmeyer, Paderborn, als Nachfolger vorgeschlagen. Wilh. Jakobsmeyer hatte dieses Amt am 3. 7. 1939 übernommen. Er war während der Kriegszeit ein geschickter und in Mitgliederkreisen beliebter Verwalter eines berufsständischen Erbes, das man einer 28jährigen Arbeit aufgebaut hatte. Während bei der Gründung nur 11 Fachbetriebe der Innung angeschlossen waren, hatte sich die Zahl der Mitglieder in dieser Zeit auf 49 erhöht. Nach einer letzten Innungsversammlung am 14.12.1939, in der man insbesondere die Gründung von Kriegsarbeitsgemeinschaften besprach, wurde es wesentlich ruhiger in der Organisation.

 

 

Der Wiederaufbau

Tatkräftige Männer des Handwerks übernahmen es im Jahre 1946, die durch das Kriegsgeschehen und den Ausfall vieler Amtsträger geschwächte Organisationsleben wieder in Gang zu bringen. Am 15. 4. 1946 übernahm Ferdinand Jakobsmeyer das Obermeisteramt, gestützt auf die langjährigen Erfahrungen, die Karl Pollmann der Innung noch mit Übernahme des Amtes als stellv. Obermeister zur Verfügung stellte. Die Bestrebungen, das Straßenbauerhandwerk auch auf größerer Ebene zusammenzuschließen, wurden von der Innung tatkräftig unterstützt, und sie beschloss am 14. 9. 1946, ebenso wie die Innungen Münster und Arnsberg, für den Landesinnungsverband eine selbständige Geschäftsführung zu errichten.

Der frühere Obermeister Pollmann war in Anerkennung seiner vielfachen Verdienste für die Innung zwischenzeitlich zum Ehrenobermeister gewählt. Im Frühjahr 1949 war der ebenfalls wegen seiner wertvollen Arbeit in der Berufsorganisation zum Ehrenobermeister ernannte frühere Obermeister Wilh. Jakobsmeyer zu Grabe getragen.

 

 

Am 1.3. 1950 übernahm Straßenbaumeister Wilh. Imkamp, Windelsbleiche, das Obermeisteramt, und Gustav Heidbreder, Schildesche, wurde als Vertreter der Traditionsbetriebe der Innung zum stellv. Obermeister gewählt. Im gleichen Jahre glaubte die Innung, durch Gründung einer Einkaufsgenossenschaft für das ostwestfälische Straßenbauerhandwerk zu einer wirtschaftlichen Besserstellung der Betriebe zu kommen. Der maßgebliche Beschluss hierüber wurde bereits am 20. Mai 1950 gefasst, die Genossenschaft selbst aber erst mit Wirkung vom 1.Februar 1951 errichtet. Diese Genossenschaft hat in vielen Jahren ihres Bestehens gute Einkaufserfolge "für ihre Mitglieder" erzielen können. Sie hat sich durch eine veränderte wirtschaftliche Situation und wegen zum Teil günstigerer Angebote aus anderen Lieferkreisen dann später als entbehrlich gezeigt.

 

Eine wesentliche Intensivierung erfuhr die Lehrlingsausbildung durch den Beschluss über die Gründung einer Innungsfachschule, der am f 7. 1950 gefasst wurde. Alle Lehrlinge aus den Innungsbetrieben waren jetzt zur Teilnahme an dieser Ausbildung verpflichtet, und es wurde gleichzeitig die, Bildung einer Bezirksfachklasse bei der Berufsschule Bielefeld beantragt. Später wurde dieser Antrag auf die Berufsschule Brackwede abgeändert und führte dort auch zum Erfolg.

Die Bestrebungen, das Ausbildungswesen im Straßenbauerhandwerk auszudehnen und insbesondere auf die modernen Techniken des Straßenbaus zu erstrecken, wurden durch die Gründung einer Fachschule für das Straßenbauerhandwerk in Köln in Verbindung mit der dortigen Handwerkskammer unterstützt. Inzwischen war auch die neue Handwerksordnung in Kraft getreten und hatte dazu geführt, dass die Innung sich eine neue Satzung zu geben hatte, bei der man den Namen der Innung der technischen Entwicklung folgend in Pflasterer- und Straßenbauer-Innung Bielefeld" änderte. Auch nach dieser Satzung war es Aufgabe der Innung, den Gemeingeist und die Berufsehre zu pflegen, ein gutes Verhältnis zwischen Meistern, Gesellen und Lehrlingen anzustreben und entsprechend den Vorschriften der Handwerkskammer das Lehrlingswesen zu regeln, Gesellenprüfungen abzuhalten und zum Wohle der Meister und Gesellen alle die Einrichtungen zu errichten und zu unterhalten, die diesem Zweck dienen können. Der Innung oblag es aber auch weiterhin, die Wirtschaftlichkeit der Betriebe durch technische Unterweisungen und Unterstützung bei Verhandlungen mit der Auftraggeberschaft zu erhöhen.

 

Mit Interesse lesen wir im Protokoll vom 27. 1. 1951, dass die Einschaltung des Handwerks in die Straßenbauaufgaben überwiegend von den erforderlichen Maschinen abhängig sei. Zunächst war beabsichtigt, Maschinen gemeinschaftlich anzuschaffen. Dieser Absicht standen aber erhebliche Finanzierungsschwierigkeifen gegenüber, sowie die Sorge, dass der jeweils fristgemäß notwendige Einsatz dieser Gemeinschaftsgeräte zu Differenzen zwischen den interessierten Mitgliedern führen würde. Nachdem einzelne Betriebe nun aber größere Geräte angeschafft hatten, stellten sie diese den übrigen Betrieben zur Verfügung, und es. ist so gelungen, in nicht unerheblichem Umfang in die öffentlichen Arbeiten eingeschaltet zu bleiben.

Die sorgfältig geführten Protokolle der Innungsversammlungen geben einen Oberblick über die Probleme, denen sich die Organisation weiterhin widmen musste. Dabei standen in richtiger Erkenntnis, dass nur bei sorgfältiger Ausbildung der Berufsangehörigen ein konkurrenzfähiger Leistungsstand der Betriebe erreicht werden kann, die Lehrlingsausbildung und die Förderung der Meisteranwärter im Vordergrund. Mehrfach musste Lehrlingswart Biermanski an der Ausbildung in den Betrieben Kritik üben und wurde hierbei von Altgesellen Klinker unterstützt. Man legte den Betriebsinhabern dringend nahe, sich mehr als bisher persönlich um diese Dinge zu kümmern und sie nicht ausschließlich den Gesellen zu überlassen. Da nach den Bestimmungen der Handwerksordnung ein Wechsel in dem Vorsitz, der Meisterprüfungskommission eintreten musste, wurde hierfür Baurat Block vom Tiefbauamt Bielefeld vorgeschlagen und später bestätigt. Am 20. 11. 1954 erfolgte die Beschlussfassung über die Errichtung einer Innungsfachschule, über ihre Nebensatzung und einen besonderen Haushaltsplan. Diese Fachschule wurde in Verbindung mit der Bezirksfachklasse bei der Berufsschule Brackwede errichtet, nachdem sich die Berufsschule Bielefeld hieran nicht interessiert gezeigt hatte. Auch im Jahre 1955 hält man die Lehrlingsausbildung noch nicht für intensiv genug und fordert außerdem, dass die Lehrlinge nicht mehr als Pflasterer, sondern als Straßenbauer eingestellt und als solche auch ausgebildet werden müssen. Es wird für notwendig gehalten, auch die Berufsberatungen der Arbeitsämter über den Beruf des Straßenbauers aufzuklären und überhaupt nach dort die beste Verbindung aufrechtzuerhalten.

 

Die ständig steigenden Anforderungen im Beruf der Straßenbauer rechtfertigte es, dass ob 1955 zusätzlich jährlich Sonderlehrgänge durchgeführt werden. Darüber hinaus wie oben bereits erwähnt wurde hierdurch erreicht, dass die Klasse als Bezirksfachklasse anerkannt wurde. Durch Innungsbeschluss ist die Teilnahme an dieser Ausbildung für alle Lehrlinge Pflicht und bildet eine Voraussetzung für die spätere Zulassung zur Gesellenprüfung. Der Lehrgang soll dazu dienen, das Wissen der Lehrlinge zu vertiefen. Durch Teilnahme aller Lehrlinge kann dann auch ein gleiches Ausbildungsniveau erreicht werden.

Ab 1959 durften wir durch das wohlwollende Entgegenkommen der Stadtverwaltung Brackwede die Sonderlehrgänge in dem wunderschön gelegenen Landschulheim in Hillentrup, Kreis Lemgo, abhalten.

Überlegungen wegen einer Gerätegenossenschaft zur gemeinschaftlichen Ausnutzung von Großgeräten führten dagegen nicht weiter und es wurde den Betrieben überlassen, ihren Gerätebestand im Laufe der Jahre selbst zu erweitern.

 

Während man noch wenige Jahre vorher der Pflasterdecke eine große Zukunft voraussagte, hatte sich inzwischen herausgestellt, dass man einer Verstärkung des Unterbaus nach neuesten Verfahren mehr Aufmerksamkeit widmen musste und der Schwarzdecke die Zukunft gehören würde. Auch das Straßenbauerhandwerk hatte bis zum Jahre 1956 einen gewissen Anteil an der Mengenkonjunktur im Baugewerbe, leider aber wurde dieses nicht zur Preiskonjunktur ausgenutzt.

Da Pflastererarbeiten immer mehr untergeordnete Bedeutung gewannen mit dem Namen der Innung zum Ausdruck bringen wollte, dass man die Organisation für den weiten Begriff des Straßenbaus" unterhält, wurde in der Innungsversammlung vom 14. 4. 1956 eine Umbenennung in Straßenbauer-Innung Bielefeld" vorgenommen.